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Architektur als Experimentierfeld


Stadtteil: Dahlem
Bereich: Breitenbachplatz
Stadtplanaufruf: Berlin, Schorlemerallee
Datum: 12. September 2026
Bericht Nr.:885

Am Denkmaltag 2026 bestand wieder die Möglichkeit zu neuen Einsichten und Einblicken in sonst verschlossene Bauten. Diesmal bin ich in der Versuchssiedlung Schorlemer Alle und - wie bereits berichtet - bei den Stadtbahnbögen unterwegs gewesen.

Die Versuchssiedlung Schorlemer Alle liegt in Dahlem angrenzend an den Breitenbachplatz und besteht aus 20 Gebäuden beidseits der Allee und dem ehemaligen Ateliergebäude der Architekten. Ist das eine Siedlung? Schon eine Wohnhausgruppe aus mehreren zusammenhängenden Häusern kann eine Siedlung bilden, obwohl darunter meist ganze Wohngebiete oder Stadtquartiere verstanden werden. Entscheidend ist der gemeinsame Plan, und der geht in der Schorlemer Allee auf eine Vision der Architekten Hans und Wassili Luckhardt zurück.

Von den Architekten war die Siedlung gedacht als Schulbeispiel funktionalen und ökonomischen Bauens. Sie haben die Häuser selbst finanziert und haben auch selbst in der Anlage gewohnt. Die kleinen, gut geschnittenen Wohnungen wurden entwickelt, um kostengünstigen Wohnraums zu schaffen. Stilistisch und technisch wiesen die Bauten der "Neuen Sachlichkeit" radikale Neuerungen auf. Die kubischen Flachdach-Baukörper aus vorgefertigten Bauteilen wurden staffelförmig gegeneinander versetzt. Den Häusern an der Südseite der Allee wurden straßenseitig haushohe Sichtblenden aus Glasbausteinen angefügt, um die Privatheit der Eingänge zu sichern. Die Häuser entstanden in mehreren unterschiedlichen Bauabschnitten in traditionellem Mauerwerk, in Stahlskelettbauweise und in modernem Stahlbeton.

Hans und Wassili Luckhardt
Die Architekten Hans und Wassili Luckhardt waren ein ungewöhnliches Gespann. Nur ein Jahr auseinander, studierten beide Architektur, der eine in Karlsruhe, der andere in Berlin. 33 Jahre lang bis zum Tod von Hans L. führten sie ein gemeinsames Architekturbüro. Sie wohnten beide in der Schorlemerallee in der gemeinsam konzipierten Versuchssiedlung. Und obwohl der Ältere seinen Bruder um 19 Jahre überlebte, sind beide in einem gemeinsamen Grab bestattet.

Auch das Grabdenkmal selbst ist eine Besonderheit: Die heute propagierte Nachnutzung verwaister historischer Grabstellen nahmen sie vorweg, den Ruheplatz eines königlichen Hoflieferanten wählten sie für den Übergang in die Ewigkeit aus. Und noch etwas ist bemerkenswert: Miteinander auf das Ende der Ewigkeit zu warten, das begegnet uns öfter als Thema für Geistesverwandte und Kampfgefährten.


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Alfons Adler
Der jüdische Architekt Alfons Adler war 10 Jahre lang Partner der Luckhardts in einem gemeinsamen Büro. Anker war an der Konzeption der Versuchssiedlung beteiligt und wohnte neben den Luckhardts in der Siedlung. Anker schied in der Nazizeit 1934 aus dem gemeinsamen Büro aus und emigrierte 1939 nach Schweden. Jüdische Architekten wurden in der Nazizeit verschwiegen, gerieten dadurch in Vergessenheit und sind bis heute im öffentlichen Bewusstsein weniger präsent. In den Jahren nach Kriegsende kam Adler nach Berlin zurück, trat aber nicht wieder in das Luckhardtsche Büro ein.

Schorlemerallee 7 Ecke Spilstraße 9
Bei einer Führung war das Haus Schorlemerallee Ecke Spilstraße zugänglich, das ist die rechte Doppelhaushälfte neben dem früher vom Filmregisseur Fritz Lang und seiner Ehefrau Thea von Harbou bewohnten Haus. Der heutige Bewohner des rechten Hauses ist selbst Architekt. Stolz konnte er seine Maßnahmen zur Wiederherstellung eines denkmalgerechten Zustandes vorstellen - und an welchen Stellen er sich darüber hinweggesetzt hat. So sind aus einer späterer Nutzung des Hauses in der Nachkriegszeit Glasfenster in den Türen erhalten geblieben, deren Farbigkeit das Haus belebt.


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Das Gebäude ist an der Straßenseite zweigeschossig, an der Gartenseite hat es drei Etagen durch den an der Nordseite freiliegenden Keller. Dort waren ebenerdige Küchen- und Wirtschaftsräume vorgesehen, im Erdgeschoss die Wohnräume und im Obergeschoss die Schlafzimmer. Da die Erdgeschossräume auf der Gartenseite höher sind als die Wirtschaftsräume an der Vorderseite, verspringen die darüberliegenden Räume und werden durch Stufen gegeneinander erschlossen.


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Das Haus ist in Stahlskelettbauweise aus verschraubten - nicht verschweißten - Teilen zusammengesetzt. Dadurch konnten ungelernte Kräfte den Aufbau vornehmen. Ausgefacht wurde das Gerüst mit Bimsbetonsteinen mit geringem Gewicht und guter Wärmedämmung. Lange Haken, die aus dem Stahlgerüst herausragten, nahmen mit Abstand eine Rabitzwand (Drahtputz) auf und sorgten für Hinterlüftung. Die Außenwände sind weiß verputzt. Da weitere tragende Teile fehlen, sind die Stahlfenster zwischen den Stützen der Fassade eingehängt.

Pappmaché
Die Dame des Hauses gestattete mir, einen Blick auf den Arbeitsplatz mit halbrunden Sitzmöbeln zu werfen. Die Möbel stammen nicht aus der Luckhardtschen Zeit, sind aber auch für sich ungewöhnlich, denn sie sind aus Pappmaché. Was man daraus alles machen kann, haben wir beim großherzoglichen Schloss Ludwigslust mitbekommen. Als dort das Geld für die Ausstattung des Schlosses fehlte, wurden aus Pappmaché Stuck, Marmor, Edelhölzer, sogar Gobelins täuschend echt imitiert und dann mit Gold überzogen oder bemalt. Papierfasern, Wasser und Kleister reichen dafür aus, um daraus leichte und stabile Gegenstände herzustellen.


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Kupferhaus
Direkt anschließend an die Luckhardtschen Häuser an der Südseite der Schorlemerallee wurde 1931 ein Einfamilienhaus erbaut, das sich wie die Versuchssiedlung mit der Erprobung neuer Materialien und der Rationalisierung im Baugewerbe beschäftigt. Wenn auch mit einer völlig anderen Bauweise, nämlich als Kupferhaus aus Fertigteilen.

Über dem gemauerten Kellergeschoss wurde ein konstruktives Gerüst aus Holz errichtet, in das die bis zu vier Meter langen und 2,80 Meter hohen Fertigteile eingehängt sind. Die Außenwände sind aus Kupferblech, die inneren aus Stahlblech. Auf diesem inneren "Wohnmetall" sind die Tapeten als Relief in Nilgrün, Pastellblau oder Korallenrot aufgetragen.


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In den Bauelementen befinden sich bereits Elektroinstallationen, Sanitäranlagen und Zentralheizung. Auch Einbauschränke und eine komplette Küche sind integriert. Dieses "Einfamilienhaus Typ R" mit dem Namen "Kupferstolz" wurde von den Kupfer- und Messingwerken AG in Finow in Fertigteilbauweise hergestellt. Zwischen 50 und 100 Kupferhäuser wurden in Deutschland errichtet, in Berlin sind noch acht Häuser erhalten.
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Tag des offenen Denkmals - Das Haus bleibt zu