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Stadtbahnbögen können verbinden oder trennen |
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Stadtteil: Mitte Bereich: Stadtbahn Stadtplanaufruf: Berlin, Lüneburger Straße Datum: 13. September 2026 Bericht Nr.:884
Am Denkmaltag 2026 besteht wieder die Möglichkeit zu neuen Einsichten und Einblicken in sonst verschlossene Bauten. Diesmal bin ich in der Versuchssiedlung Schorlemer Alle (gesonderter Bericht folgt) und bei den Stadtbahnbögen unterwegs.
Im Juni hatten wir uns mit dem Bahnviadukt beschäftigt, auf dem oberhalb von 791 Stadtbahnbögen S-Bahnen und Fernzüge zwischen den Bahnhöfen Charlottenburg und Ostbahnhof als Hochbahnen durch die Innenstadt fahren. Der städtische Baurat August Diercksen hatte diese ungewöhnliche Idee ab 1874 realisiert. Am diesjährigen Denkmaltag stellte eine Architekturstudentin ihre Forschungen zur Geschichte des Viadukts und zu seiner Nutzung vor, die sie in einer Masterarbeit veröffentlicht hat.
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Die Stadtbahnbögen Die Bahnbögen unterhalb der Gleise wurden von vornherein als Gewerbeflächen ausgebaut und boten Platz für Werkstätten, kleine Läden, Gastronomie und andere Nutzungen. Anfangs waren auch Pferdeställe dort untergebracht, denen später Garagen und Kraftfahrzeugbetriebe folgten. Eine Nutzungsvielfalt gibt es auch heute noch, andererseits stehen zahlreiche Bögen leer, sind verschlossen, zugemauert, überwuchert oder aus dem Stadtraum nahezu verschwunden. Die Nutzungen unterscheiden sich auch von Ort zu Ort erheblich.
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Im Gegensatz zu dem verbindenden Charakter der Bahnstrecke bilden die Bögen im Stadtraum trotz vorhandener Unterführungen eine spürbare Barriere zwischen den angrenzenden Quartieren.
Am Denkmaltag wurde die Masterarbeit vorgestellt, passenderweise in den Stadtbahnbögen des "Artenschutz-Theaters", dessen Name ein spielerischer Umgang mit dem Schutzgedanken zugrunde liegt: Warum soll nur die Natur schützenwert sein, die Kultur und insbesondere das Theater hätten es genauso nötig. Die beiden Stadtbahnbögen des Theaters an der Lüneburger Straße sind unterkellert und haben einen ausgebauten Dachboden. Die Bögen stehen nahe der Spree, sie sind wegen des unsicheren Untergrundes tiefer gegründet. Im Normalfall sind die Bögen ebenerdig, haben eine lichte Höhe von 4 bis 5 Metern und eine Breite von 12 Metern. Diesen Bahnbogen nutzte vor dem Theater ein Verpackungsunternehmen "Dosen Lager".
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Wo die Bögen ungenutzt bleiben, fehlen Anknüpfungspunkte an das umliegende Quartier. Ziel der Untersuchung war es, zu zeigen, wie ungenutzten Bögen wieder stärker Teil des städtischen Lebens werden können. In der Masterarbeit wird als ein Beispiel der Ausbau eines mehrstöckigen Bahnbogens zur Sportstätte vorgeschlagen. Aber auch Nutzungen ohne Baumaßnahmen durch Einfügen von Raumelementen sind möglich.
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Zählung und Adressierung der Bahnbögen Die Postadresse der Bahnbögen ist genauso ungewöhnlich wie der Viadukt selbst. Die Bögen sind offiziell durchnummeriert vom Ostbahnhof bis zum Savignyplatz, dort endet die Zählung mit Bogen 591. Die weitere Strecke bis zum Bahnhof Charlottenburg blieb ohne Nummern. Sowohl die Post als auch jeder Navi findet den einzelnen Bogen durch Angabe der Straße und Bogennummer (ohne jeden weiteren Zusatz), also beispielsweise Lüneburger Straße 370 für das Artenschutztheater.
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Abriss eines Teils der Bahnbögen und des Viadukts Bei unseren Rückweg Richtung Hauptbahnhof sind auf die Unterbrechung des Viadukts durch die Stützenkonstruktion des neuen Hauptbahnhofs aufmerksam geworden. Ein Teil des Viadukts ist dem Abriss des früheren Lehrter Stadtbahnhofs und dem Neubau des Hauptbahnhofs zum Opfer gefallen ist. Die offizielle laufende Nummerierung der Bögen vom Ostbahnhof bis zum Savignyplatz ist dadurch unterbrochen, es ist in der Zählung eine Lücke von 56 Bahnbögen entstanden.
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Neue Ständerkonstruktion Zwischen der Überquerung der Straße Alt Moabit an der Lüneburger Straße und dem Hauptbahnhof werden die Gleise durch eine Stützenkonstruktion mit Stahlpfeilern aufgeständert. In einigen Bereichen wird darunter Material gelagert. doch näher zum Hauptbahnhof gibt es eine Überraschung. Dort wird Padel Tennis im Doppel gespielt, einer Mischung aus Tennis und Squash. Die Spielfelder sind von einem rundum geschlossenen Käfig aus Glas- und Gitterwänden umgeben, die ins Spiel mit einbezogen werden. Padel Tennis stammt aus Mexiko und wird in anderen Ländern von Millionen Menschen gespielt, bei uns ist es eine Trendsportart.
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Humboldthafenbrücke Auf der Ostseite des Hauptbahnhofs führen die neuen Gleise über den Humboldthafen. Die Brückenkonstruktion wurde prämiert als ein "eleganten Bauwerk mit richtungweisender Planung und Konstruktion im modernen Eisenbahnbrückenbau". Die Stabbogenbrücke wurde aus Stahlrohren mit Gussknoten hergestellt, eine Konstruktionsform aus gegossenem und gewalztem Stahl, die erstmals im modernen Eisenbahnbrückenbau zur Anwendung kam. Gussteile wurden verwendet, weil sie in jeder Hinsicht geschweißten Rohrknoten überlegen sind.
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Übergang vom Viadukt zur östlichen Ständerkonstruktion Der letzte östliche Stadtbahnbogen ist an der Margarete-Steffin-Straße auf Höhe des Futuriums erhalten geblieben, alle weiteren fielen dem Brücken- und Bahnhofsbau zum Opfer. Anders als an der Westseite besteht hier das Ständerwerk jenseits der Humboldthafenbrücke nicht aus Stahlpfeilern, sondern aus Betonstützen mit eingelegtem Stahl. Diese Betonpfeiler bilden einen fließenden Übergang zu dem historischen Viadukt aus, eine sensible Lösung. Die letzten historischen Bahnbögen werden dort von den Ausläufern der neuen Stützenkonstruktion eingefasst. Auf der gegenüberliegenden Seite des Bahnkörpers am Charité-Gelände ist dagegen eine schroffe Abbruchkante am Viadukt entstanden.
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Margarete Steffin Der Straßenname führt uns zur Mitarbeiterin und (fast zwangsläufig:) Geliebten von Bertold Brecht: Margarete Steffin gehörte zur "Großfamilie" des Theatermachers. Sie begleitete Brecht und Weigel ins Exil nach Dänemark und über Schweden und Finnland in die Sowjetunion. Steffin arbeitete an mehreren Theaterstücken Brechts mit, nur sie überblickt seine tausende Manuskriptblätter, sie führte die Korrespondenz mit Verlagen und Freunden, ordnete seine Gedichte. Steffin starb in Moskau vor der geplanten gemeinsamen Übersiedlung ins Exil in den USA. Es heißt, Brecht sei nach ihrem Tod "über ein Jahr lang unfähig gewesen zu arbeiten".
Ihr widmete Brecht dieses ein Gedicht (hier auszugsweise): __Seit du gestorben bist, kleine Lehrerin / Gehe ich blicklos herum, ruhelos __In einer grauen Welt staunend --------------------------------------------------------------
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-------------------------------------------------------------- Stadtbahnbögen: --------------------------------------------------------------
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Ein bisschen Kranksein ist manchmal ganz gesund
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