 |
 |
 |
 |
 |
|
Die Spree mäandert durch Berlin |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Stadtteile: Moabit und Hansaviertel Bereich: Spreebogen Stadtplanaufruf: Berlin, Holsteiner Ufer Datum: 8. Dezember 2025 Bericht Nr.:875
Wir folgen heute den Biegungen der Spree, erst nördlich in Moabit und über den Gerickesteg wechselnd südlich im Ortsteil Hansaviertel. Insgesamt vier Mal macht die Spree einen Buckel nach Norden auf dem Weg von der Berliner Mitte zum Schlosspark Charlottenburg. Ihre Schwingungen ähneln dem Verlauf einer Sinuskurve, nur dass die Natur nicht so gleichmäßige Abstände aufweist wie die mathematische Funktion. Ihr jahrhundertelanges sanftes Schweben durch die Berliner Mitte mit wechselnden Wasserständen und unbefestigten Ufern wurde in den 1880er Jahren unterbunden, weil die Großstadt einen verlässlichen Wasserweg brauchte, um "Berlin vom Kahn aus zu erbauen".
Die Straßen in der Mark Brandenburg waren weitgehend unbefestigte Feldwege, manchmal mit Feldsteinen gepflastert. Mit dem Zusammenfluss von Havel und Spree hatte das Gebiet gute Bedingungen für die Flussschifffahrt, um die wachsende Stadt mit Baustoffen zu versorgen. Ziegelsteine kamen per Kahn aus den zahlreiche Ziegeleien im Umland, Bauholz wurde aus der waldreichen Region um die Flößerstadt Lychen mit Flößen nach Berlin gebracht. Reisende Kaufleute, die Berlin durchquerten, mussten ihre Waren "niederlegen" oder "stapeln" und in der Stadt anbieten, bevor sie weiterreisen durften (Niederlagsrecht oder Stapelrecht).
Spreekanalisierung Die wechselnden Wasserstände des natürlichen Flusslaufs behinderten den Schiffsverkehr. Zudem veränderte sich das Flussbett in seinen Bögen kontinuierlich durch Abtrag und Ablagerung von Ufersedimenten: Die Hauptströmung in Längsrichtung wird von einer Querbewegung überlagert, die am Flussboden und an der Oberfläche entgegengesetzt verläuft. Sie wechselt zwischen der Außenkurve und der gegenüberliegenden Innenkurve des Flussbetts. Dabei wird an der Außenseite Material abgetragen und an der Innenseite angelagert.
Im Jahr 1892 hat man mit der Spreekanalisierung begonnen und aus dem Fluss einen durch Schleusen regulierter Großschifffahrtsweg gemacht. Der Flusslauf wurde wo notwendig begradigt, auf 50 m verbreitert, deutlich vertieft und mit den heute noch vorhandenen dunklen Natursteinquadern eingefasst. Brücken, Uferwege, Aufgänge, Geländer und Ladestraßen wurden angelegt.
Das bundeseigene Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt hatte 2007 am Landwehrkanal mit Baumfällungen für die Uferinstandsetzung begonnen, ohne die Bürger zu informieren und vom Umfang her ziemlich maßlos. Durch Bürgerproteste konnten die Arbeiten auf das notwendige Maß reduziert werden.
|
|
|
|
|
|
Bahnviadukt Vom Hansaviertel bis zur Fischerinsel mäandert wiederum die gleichzeitig angelegte Bahntrasse mit Bahnviadukt um den Spreeverlauf herum. Am Hauptbahnhof kommen sie sich sehr nahe in ihren spielerischen Biegungen und Wendungen.
|
 |

mit KLICK vergrößern
|
|
|
|
|
|
Als "Spreebogen" bezeichnet wird mal die Gesamtheit der Fluss-Schleifen, mal im engeren Sinne der Bereich zwischen Alt-Moabit und der Spree von der Moabiter- bis zur Lessingbrücke. In diesem Gelände entstanden wenige Jahre vor Spreekanalisierung und Bahntrassenbau die Betriebsgelände der Kampffmeyer-Mühlen und der Meierei Bolle (dazu später mehr).
|
|
|
|
|
|
[Nördlich der Spree: - Moabit - ]
|
|
|
|
|
|
Katzenbuckel auf vier Pfoten Von Alt-Moabit aus durchstreifen wir das Gebiet bis zu den Bögen der Spree. Ein Pavillon aus GFK (Glasfaserverstärktem Kunststoff) steht an der Werftstraße Ecke Gerhardtstraße auf vier Pfoten und macht einen Katzenbuckel. Warum ist dieses ungewöhnliche Stadtmöbel hier aufgestellt worden, wer hat es in Auftrag gegeben oder gesponsort? Es gibt Fragen, zu denen auch der Stadtforscher keine Antwort findet.
|
 |

mit KLICK vergrößern
|
|
|
|
|
|
Die Werftstraße ist 1862 nach einer Schiffswerft der Preußischen Seehandlung benannt worden, die sich früher in der Nähe der Spree befand. Friedrich der Große hatte die "preußische Seehandlungsgesellschaft“ zur Wirtschaftsförderung gegründet und mit einer eigenen Flotte ausgestattet. Sie besaß das Monopol für den Handel mit Seesalz und das Stapelrecht für Wachs und Wachsprodukte. Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich das, sie agierte als Finanzinstitut. Kurz nach 1900 wurde sie zur Preußischen Staatsbank, die aber immer noch den Begriff Seehandlung als Beinamen führte: "Preußische Staatsbank (Seehandlung)".
Prunkvolle Räume a la Ravené Nicht nur die Werft ist aus der gleichnamigen Straße verschwunden. Auch die Villa Ravené in der Werftstraße 7 gibt es nicht mehr. Dieser prunkvolle Bau im Neorenaissancestil enthielt Veranda, Loggien, Hallen, Treibhäuser und ein kleines Amphitheater. Die Innenausstattung entsprach "dem feinen Kunstsinn des Eigentümers". Zimmer und Säle enthielten Friese und Deckengemälde, die Räume waren "mit seltener Harmonie ausgestattet". Nach nicht einmal zwanzig Jahren wurde die Villa abgerissen, als eine umfangreiche Bebauung dieses Stadtteils begann. In dem Nachfolgebau - einem Mietshaus - nahm ein Postamt mit Rohrpostanlage seinen Betrieb auf. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zerbombt und in der Nachkriegszeit abgeräumt.
|
|
|
|
|
|
Spreebogen An dem Bahnviadukt und dem Helgoländer Ufer entlang kommen wir über die Spree zum Gerickesteg. Das Spreebogengelände liegt jetzt nördlich der Spree. Es waren drei Betriebe, die sich an der Straße Alt-Moabit den Bereich bis zur Stromstraße teilten: Die Kampffmeyer-Mühlen direkt an der Stromstraße, daneben die Meierei Bolle, und schließlich direkt an der Spree die Großwäscherei Bergmann.
|
 |

mit KLICK vergrößern
|
|
|
|
|
|
Bimmel-Bolle Carl Bolle war Maurermeister, verhinderter Theologe und Missionar, betrieb einen Fischhandel, eine Obstplantage, eine Konservenfabrik, eine Baumschule (natürlich nicht alles gleichzeitig) und belieferte die Berliner mit Milch ("Bimmel-Bolle"). Ein umtriebiger Mensch, der immer wieder neue Ideen hatte und niemals aufgab.
|
 |

mit KLICK vergrößern
|
|
|
|
|
|
Mit seinem Namen verbindet man vor allem die Meierei in Moabit. Auf dem Betriebsgelände entstand sein Milchverwertungsbetrieb. Hierzu gehörten neben dem Meiereigebäude Werkstatt- und Stallgebäude, ein Kessel- und Maschinenhaus, Wohnungen, Läden, Büros, eine Hauskapelle mit 1 600 Plätzen und ein Festsaal.
|
|
|
|
|
|
Alte Meierei Nach 1945 verlor die Meierei von C. Bolle zunehmend ihre Bedeutung. Die im Krieg teilweise beschädigten Gebäude verfielen. 1983 riss man Teile der Meierei ab; das Gelände wurde für Lagerzwecke genutzt. Bis zum Ende der achtziger Jahre war es eine Stadtbrache geworden. Nach der Wende wurde eines der zwei lang gestreckten, parallel angeordneten Backsteingebäude zwischen Alt Moabit und der Spree als Baudenkmal wieder hergestellt, das andere abgebrochen. An der Spree wurde ein Hotelbau angefügt.
Parallel zum Backsteingebäude wurde vom Investor, dem Pizza-König Freiberger ein U-förmiger Neubau errichtet und teuer an das Ministerium vermietet. Erster Innenminister war hier Manfred Kanther (CDU), der später wegen Untreue seinen Job verlor. Der CDU-Ministerpräsident Roland Koch versprach, Kanthers schwarze Kassen "brutalst möglich" aufzuklären. Das wurde zum geflügelten Wort. Das "brutale" war in der Realität , dass er die Aufklärung mit Verschleierung mischte.
|
|
|
|
|
|
Kampffmeyer-Mühlen, FOCUS Teleport In den 1880er Jahren wurde an der Stromstraße Berlins größte Kornmühle errichtet. Später übernahm Kurt Kampffmeyer den Betrieb, der zum Schluss aus Dampfmühle, Kessel- und Maschinenhaus, einem Korn- und Mehlspeicher, Getreidesilo , Reinigungsanlage und einem Verwaltungsgebäude bestand. In den 1980er Jahren wurde das Fabrikgelände abgeräumt, nur ein Ladeturm erinnert an das Mühlenzeitalter. Der FOCUS Teleport - ein Dienstleistungszentrum - wurde auf dem Grundstück errichtet. Es will mit seiner "funktionalen Architektur" ein "angenehmes Campus-Gefühl vermitteln". Ob das gelang, mag der Betrachter selbst entscheiden.
|
|
|
|
|
|
Bergmannsche Wäscherei Der dritte Betrieb auf diesem Gelände ist die Etagenfabrik der Bergmannschen Wäscherei, mit dem Blick zur Spree errichtet in den 1910er Jahren. Das fünfgeschossige Gebäude zeichnet sich durch seine "klare, sachliche Fassadengliederung aus, die der Fabrik eine monumentale Wirkung verleiht". Das Gebäude gehört heute zum FOCUS Teleport.
|
 |

mit KLICK vergrößern
|
|
|
|
|
|
[Südlich der Spree: - Hansaviertel - ]
|
|
|
|
|
|
Südlich der Spree war 1874 das Wohngebiet "Hansaviertel" angelegt worden. Vom Holsteiner Ufer reichte es bis zum Großen Tiergarten. Der Name "Hansaviertel" verweist in mehrfacher Beziehung auf die Hanse und Hamburg: Das Baugebiet war von der Immobiliengesellschaft "Hansa“ - insbesondere von Hamburger Unternehmern - erschlossen worden. Die Stadt Berlin gehörte im 14. und 15. Jahrhundert dem Hanse-Bund an. Und schließlich: Der Hamburger Bahnhof lag ganz in der Nähe.
Altes Hansaviertel, Interbau Die Architekten des alten Hansaviertels ließen sich inspirieren vom Stil und der Atmosphäre der Hansestädte. In diesem Sinne sind manche ihre Bauten "hanseatisch" geprägt.
|
|
|
|
|
|
An der Uferstraße entlang der Spree - dem Holsteiner Ufer - erbauten sie eine geschlossene Häuserreihe stattlicher Gebäude mit Souterrain und vier Hauptgeschossen. Die Fassaden verweisen historisierend auf Barock- oder Rokoko-Formen. Diese Gebäude gehören zu den wenigen Bauten, die bei der Neubebauung des Hansaviertels im Rahmen der Interbau 1957 erhalten geblieben sind.
|
 |

mit KLICK vergrößern
|
|
|
|
|
|
Als "Schaufenster des Westens" sollte in der eingeschlossenen Stadt West-Berlin eine vorzeigbare moderne, transparente Bebauung als ideologisches Gegenstück zur Ost-Berliner Stalinallee geschaffen werden. Das weitgehend zerstörte Hansaviertel bot sich dafür an. Es wurden international renommierte Architekten gewonnen. Zur Neuordnung der Besitzverhältnisse auf der Baufläche kaufte eine Terraingesellschaft die alten Parzellen auf. Die erhaltenen Bauten und die Ruinen wurden abgeräumt, die Parzellen zu großen Flächen zusammengelegt, Straßen entwidmet und beseitigt.
Bauten städtebaulich im luftleeren Raum Zwischen Spree und Lessingstraße wurde nördlich der Altonaer Straße ein länglicher Uferstreifen abgetrennt, auf dem sich Schulen und Sportplätze ausbreiten. Kurz nach 1900 sind dort eine Realschule und ein Schifferbrunnen entstanden, die beide heute noch vorhanden sind.
|
|
|
|
|
|
Die weitere historische Bebauung ist verschwunden, die Uferstraße wurde aufgehoben, so dass die Realschule städtebaulich in einem luftleeren Raum steht. Die Hauptfassade der Schule richtete sich zum Wasser aus, sie wird heute teilweise durch einen Neubau verdeckt. Statt dessen schaut man an der Lessingstraße von hinten auf den Schulhof und - davon zurückgesetzt - auf die Rückfront des Schulgebäudes.
|
 |

mit KLICK vergrößern
|
|
|
|
|
|
Der Stadtbaurat Ludwig Hoffmann hatte bei seinem Entwurf - wie andere Architekten im Ortsteil - an die Nähe des alten Hansaviertels angeknüpft und die norddeutsche und niederländische Renaissance zum Vorbild genommen, um sich auf die Lebenswelt der Hansestädte beziehen. Im Rahmen der Interbau 1957 hat der Stadtbauarchitekt Bruno Grimmek die Hansa-Schule entworfen, einen luftigen, sonnigen, weiträumigen Bau mit der Anmutung eines Pavillons, obwohl er mehrgeschossig ist. Eine Brunnenskulptur vor der Schule zeigt einen abstrakten "Lehrflug" von vermutlich zwei Mauerseglern.
|
|
|
|
|
|
Schifferbrunnen Unterhalb der Hansabrücke wurde 1910 ein Stockbrunnen aufgestellt. Bei dieser Skulptur erhebt sich aus dem Brunnenbecken eine Steinsäule ("Stock"). Darauf sitzt in anmutiger Haltung ein Schifferbursche, der auf einem Schifferklavier spielt. Froschfiguren auf Konsolen am Säulenschaft fungierten ursprünglich als Wasserspeier. Einzelne Stockbrunnen / Röhrenbrunnen gab es auch in anderen Hansestädten.
|
 |

mit KLICK vergrößern
|
|
|
|
|
|
Noch zweimal überqueren wir die Spree: Über die Hansabrücke erreichen wir die "Buchkantine" in der Dortmunder Straße. Kaffee und Kuchen inmitten einer Buchhandlung, das stärkt Bauch und Intellekt. Weiter südlich über den Wüllenwebersteg erreichen wir den S-Bahnhof Tiergarten für die Heimreise. --------------------------------------------------------------
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
-------------------------------------------------------------- Unsere Route: --------------------------------------------------------------
|
|
|
zum Vergrößern ANKLICKEN |
|
|
|
|
|
Hoffnung auf Frieden im Skulpturenhain
|
|
 |