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Ein Wohnquartier jüdischer Einwanderer |
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Stadtteil: Berlin-Mitte Bereich: Scheunenviertel Stadtplanaufruf: Berlin, Münzstraße Datum: 12. März 2026 Bericht Nr.:879
Im Scheunenviertel in der Spandauer Vorstadt ist gerade eine "Erinnerungslandschaft" geschaffen worden, die früheres jüdisches Leben im Viertel wieder sichtbar machen soll: "Spurlos verschwunden? – Jüdische Lebenswelten im Herzen Berlins vor der NS-Diktatur". An zehn Straßen wurden die Richtungsanzeiger ergänzt um Schilder in hebräischer Schrift mit kurzer Erläuterung.
Wohnquartier jüdischer Einwanderer In das Viertel strömten seit Ende des 19. Jahrhunderts Juden aus Osteuropa auf der Flucht vor Bürgerkriegen, Pogromen und Diskriminierung. Für viele sollte es nur das Zwischenziel auf dem Weg in die Neue Welt sein. Wer konnte, zog schnell weiter. Als der Strom der osteuropäischen Auswanderer zunehmend die Wartesäle der Bahn in Berlin überfüllte, wurde in Spandau wurde 1891 der Auswandererbahnhof als Durchgangsstation eingerichtet. Die Flüchtlinge, denen die Papiere fehlten oder die die Überfahrt nicht bezahlen konnten, blieben im Scheunenviertel hängen.
Das Scheunenviertel war historisch das Wohnquartier jüdischer Einwanderer. Der Soldatenkönig hatte 1737 durch einen Erlass Juden gezwungen, dort vor der Stadt Quartier zu nehmen, wenn sie keine Wohnung in der Stadt hatten. Dadurch gab es dort bereits eine jüdische Ansiedlung mit der alten Synagoge in der Heidereutergasse und der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße sowie anderen jüdischen Einrichtungen. Die Grenadierstraße (heute Almstadtstraße) war das Tor zum Scheunenviertel, an der nördlichen Grenadierstraße gab es die größte Bevölkerungsdichte von ganz Berlin. Dort wurden jetzt auch die ersten jüdischen Erinnerungsschilder eingeweiht.
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Das Viertel war "die letzte Altstadt von Berlin, Armut und Hoffnung, Gewalt und Religion, Suff und Sehnsucht" trafen hier zusammen, schreibt der "Spiegel". Familien mit vielen Kindern lebten dort in äußerster Enge und Armut. Es gab Betstuben in den Häusern und koschere Geschäfte in den Straßen.. In Kellergeschäften wurden hebräische Bücher verkauft. Bärtige Juden mit Schläfenlocken in schwarzen Kaftanen prägten das Bild des Viertels. Es war der "Ort osteuropäisch-jüdischen Lebens im Berliner Scheunenviertel bis 1938" (Text auf einem Erläuterungsschild der Erinnerungslandschaft).
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In der Nazizeit wurde die Bevölkerung mit antijüdischen Pogromen, Polizeirazzien und Verhaftungen bedrängt, verfolgt und schließlich deportiert. Die DDR sah das Scheunenviertel abfällig als "baufälliges Erbe des Kapitalismus“ an. In der Nachwendezeit machten Investoren ein chices Wohn- und Flanierviertel aus dem Kiez, in dem die jüdische Lebenswelten nicht mehr sichtbar sind. Zusätzlich zu den "Stolpersteinen", die in ganz Berlin das Gedenken an jüdische Bewohner wachrufen, soll die neue Initiative an das Leben in diesem Quartier erinnern.
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Straßenschilder Straßenschilder dienen vordergründig dem Ziel, sich in der Stadt zurechtzufinden. In den überschaubaren mittelalterlichen Städten war die Orientierung anhand von Hauszeichen (zB Schwarzer Adler) oder Hausnamen (zB Zum Lindenwirt) ausreichend. In den wachsenden Städten setzten sich im 18. Jahrhundert Straßenschilder durch. Paris ordnete die Beschilderung 1728 an, um die Steuererhebung zu erleichtern. Die vorgesehenen Blechschilder mit den Straßennamen wurden aber zu oft von den Bürgern zerstört, so dass sie teilweise durch Steintafeln ersetzt wurden. Londons ältestes Straßenschild ist eine Steintafel von 1636. In Berlin wurden Straßenschilder 1771 eingeführt, hellblau emaillierte Blechtafeln mit weißer Schrift, die an allen Eckhäusern in 4 Meter Höhe angebracht wurden.
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Heute sind die Berliner Straßenschilder weiß mit schwarzer Schrift und werden in Umrandungen aus Metall eingeschoben. Der Schrifttyp (DIN 1451) geht auf einen Entwurf von 1906 zurück. Im Nachkriegs-Ost- und West-Berlin unterschieden sich auch die Beschriftungen. Beim Buchstaben "ß" wird das besonders deutlich. Als schmale, geradezu schüchterne Büroklammer erhebt sich das östliche in der Buchstabenfolge. Im Westen knüpft die "Thannhaeuser-Type" daran an, dass "s-z" ein Doppelbuchstabe ist und verbindet beide als Ligatur miteinander.
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In der Nachkriegszeit wurden eine Zeit lang Straßennamen in West-Berlin nur in Großbuchstaben beschriftet, heute ist Groß-/Kleinschreibung üblich. Im Stadtbild sieht man verschiedene Schilder, die historischen Vorbildern nachempfunden wurden, zum Beispiel mit einem ausgeformten Berliner Bären als Aufsatz. Aus Ost-Berlin sind historisierende Gestaltungen mit Schmuckumrandungen und älteren Schriftarten erhalten geblieben.
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Straßenbenennungen Anfangs dienten überlieferte Orts- oder Flurbezeichnungen als Straßennamen Aus der Stadt herausführende Straßen wurden nach den Orten benannt, zu denen sie hinführten. Historische Ereignisse fanden sich auf Straßenschildern wieder. Geehrt wurden Personen, vor allem von Herrscherhäusern, später auch Prominente wie Politiker, Erfinder und Pioniere, Kunstschaffende, Wissenschaftler und andere Intellektuelle. Die Straßennamen konnten Identität für die Bewohner stiften, aber auch aber auch zu Protesten führen. Beispielsweise wenn nach der Benennung Ereignisse neu bewertet wurden (zB bei politischen Umbrüchen wie nach der Nazizeit und der DDR-Zeit). Ging es um Gegner der Demokratie oder um Siegerjustiz und Denkmalstürmerei, wer hat die Deutungshoheit der Geschichte?
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Politisch nicht korrekte Begriffe wie bei der Mohrenstraße haben zu Umbenennungen geführt. Oder in anderen Fällen einfach der Unmut der Einwohner, die zB die Rückbenennung des Kaiserdamms nach der überfallartigen Namensänderung als Adenauerdamm erreichen konnten.
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Müssen auch ausländische Städtenamen, die längst nicht mehr benutzt werden, aus dem Berliner Stadtplan getilgt werden?. Ein Beispiel: Die Ofener Straße ist nach dem alten deutschen Namen für Buda, (Teil von Budapest), benannt.
Oder Städtenamen, die auf siegreiche Kämpfe gegen den "Erzfeind" Frankreich verweisen, wie im Steglitzer Stadtparkviertel oder dem Kollwitzkiez im Prenzelberg: Sollten sie entfernt werden?
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Legendenschilder Kleine Aufsätze auf Straßenschildern geben oft interessante Zusatzinformationen zum Straßennamen. Eine Straße, die das dringend gebraucht hätte, ist die Spießergasse in Schulzendorf. Umgangssprachlich ist "Spießer" ein abwertender Begriff für einen engstirnigen, rückständigen Mitmenschen. Historisch waren das städtischen Bürger, die ihre Orte mit Spießen gegen Eindringlinge verteidigten.
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Das Schild bezieht sich aber nicht auf rückständige Anwohner, sondern auf Hirsch und Reh, die ihr Erstlingsgeweih noch nicht abgeworfen haben. Es sieht wie ein Spieß aus, erst das endgültige Geweih verzweigt sich so, wie wir es kennen. Der Kontext der umgebenden Straßennamen mit Bär, Dambock, Gemse, Hirsch und Reh bringt die Auflösung.
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Als Flaneure haben wir mit unserem Bericht darüber eine Anwohnerin glücklich machen können. Sie wurde beim Nennen ihrer Adresse oft ausgelacht, jetzt freute sie sich über die "geschlossene Bildungslücke". --------------------------------------------------------------
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-------------------------------------------------------------- Unsere Route: --------------------------------------------------------------
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Die Vision eines Uferwegs an der Spree
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