Bezirke
  Straßenverzeichnis     Personen     Themen     Aktuell     Forum  
Charlottenburg-Wilmersdorf
Friedrichshain-Kreuzberg
Lichtenberg
Marzahn-Hellersdorf
Mitte
Die alte Mitte
Regierungsviertel, Hauptbahnhof und mehr
Tiergarten
Wedding
Neukölln
Pankow
Reinickendorf
Spandau
Steglitz-Zehlendorf
Tempelhof-Schöneberg
Treptow-Köpenick
Allgemein:
Startseite
Ich bin NEU hier
Hinweise
Kontakt
Impressum
Datenschutz
Links
SUCHEN
Sitemap

Berlin ist älter


Stadtteil: Mitte
Bereich: Cölln an der Spree
Stadtplanaufruf: Berlin, Petriplatz
Datum: 26. April 2026
Bericht Nr.:882


Im Jahr 1987 haben Ostberlin und West-Berlin gleichzeitig - aber nicht gemeinsam - den 750. Geburtstag der Stadt gefeiert. Das Gründungsjahr wurde wie allgemein üblich anhand der ersten Erwähnung des Ortes in einer amtlichen Urkunde festgelegt. Aber: Berlin ist älter, die Jahresringe von Bäumen haben es verraten. Bauholz, das in alten Bauten gefunden wird, untersucht man dazu auf das Muster der Jahresringe. Bäume wachsen jährlich um einen Ring, dessen Breite von Umweltfaktoren (Temperaturen und Niederschläge) abhängt. Der Zeitpunkt des Fällens kann bestimmt werden, indem man das Muster der Ringe bekannten Vergleichsobjekten derselben Region gegenüberstellt. Das ist die "Wissenschaft vom Baumalter" (Dendrochronologie).

Archäologische Untersuchungen am Petriplatz in Berlin Mitte haben Aufschluss über das Baujahr des ältesten dort ausgegrabenen Hauses gegeben. Wissenschaftler haben das Fällungsjahr eines Holzbalkens aus dem Haus in der tiefsten Schicht auf 1212 datiert. Am Schlossplatz in Mitte wurde ein noch älterer Bau gefunden, ein Bauholz aus der Ausgrabung wurde 2008 auf das Jahr 1183 datiert. Das offizielle Gründungsjahr 1237 hat Berlin bisher nicht korrigiert, vielleicht wartet man auf weitere Funde? Es ist ja auch noch etwas hin bis zur Jahrtausendfeier 2183 (oder etwas früher).

Das "Archäologische Fenster"
Die Stadt Berlin ist aus den mittelalterlichen Siedlungen Berlin und Cölln rechts und links der Spree entstanden. Der Petriplatz war der Cöllner Marktplatz, gegenüber in Berlin war es der Molkenmarkt. Dort, wo im Fischerdorf Cölln an der Spree die Pfarrkirche gestanden hat, bekommt man heute in einem "Archäologischen Fenster" einen Einblick in die Entstehung der Stadt.

In den Jahren 2007-2009 und im Jahr 2015 hat man großflächige Ausgrabungen durchgeführt. Schicht für Schicht legten Archäologen die Bauten und Spuren der Vergangenheit frei. Das über der Ausgrabung stehende Gebäude "Petri Berlin" zeigt diese Entdeckungsreise bis zu den freigelegten Grundmauern. Bereichert wird die Schau durch eine Sammlung von Gegenständen, die Archäologen in ganz Berlin zusammengetragen haben.


mit KLICK vergrößern

Die Petrikirche
Auf dem Platz stand von 1230 bis 1964 die Petrikirche. Der erste - romanische - Kirchenbau wurde zweimal durch Feuer beschädigt, schließlich stürzte der Kirchturm ein. 1379 wurde ein Nachfolgebau im gotischen Stil errichtet, der 1809 einem Brand zum Opfer fiel. Jahrelang blieb der Schutt liegen, bis 1853 ein Barockbau als Nachfolger eingeweiht wurde. Mit einem gemauerten Turm von 111 Meter Höhe, der lange Zeit das höchste Gebäude Berlins markierte.

Damit waren die vielfachen Querelen um den Turm beseitigt, der 1440 errichtet worden war. 1663 hatte man ihn repariert und danach den oberen Teil des wieder baufällig gewordenen Turms abgetragen, 1730 fuhr ein Blitz in das Baugerüst des Turmes. Der Neubau des Turms stürzte 1734 wegen Baupfusch ein.

Beim Endkampf um Berlin schossen SS-Einheiten und die Sowjets die Kirche zu einer Ruine, die die DDR 1964 abtragen ließ. Die geschredderten Ruinenreste hat die DDR nach West-Berlin verkauft, wo sie zum Stadion- und Straßenbau eingesetzt wurden. Drei Versionen der Petrikirche(n) werden in der archäologischen Ausstellung als Tastobjekte gezeigt bzw. vorgeführt.


mit KLICK vergrößern

Die Schichten der Ausgrabung
Unter der Petrikirche fand man Reste von Berlins ältesten Schule, der Lateinschule von Cölln. Unter den Mauern der Schule liegt teilweise das mittelalterliche Pflaster der Scharrenstraße. Noch darunter sind die Umrisse von zwei Kellern erkennbar, über denen ehemals Häuser standen. Immer wieder wurden alte Gebäude neu überbaut. So wuchs die Stadt über die Jahrhunderte von unten nach oben. Das kann man an der Marienkirche - der ältesten städtische Pfarrkirche Berlins - beispielhaft sehen, die auf der ursprünglichen Höhe des mittelalterlichen Bodenniveaus von 1270 steht und damit in einer Vertiefung gegenüber dem heutigen Niveau.

In der Archäologischen Ausstellung werden an einem Modell die Schichten gezeigt, die unter der Lateinschule ausgegraben wurden. Unter einer Mauer aus dem 14. Jhdt. liegt das "Haus 2" aus dem 13. Jhdt. Darunter das "Haus 1 ", in dem ein Holzbalken auf das Jahr 1212 datiert werden konnte. Das Fällungsjahr des Baumes gibt den bisher zweitältesten Hinweis auf die Entstehung Berlins (s.o.). Außerdem konnten eine Kellertreppe lokalisiert werden und Wurzeln, die eine Schicht "gestört" haben.


mit KLICK vergrößern

Kirchhof
Bei den Ausgrabungen wurde auch der alte Friedhof an der Kirche - Kirchhof - gefunden, mit den sterblichen Überresten von rund 4000 Menschen, die seit Siedlungsbeginn bis zur Schließung des Friedhofs im Jahr 1717 dort ihre letzte Ruhe fanden. Die Funde geben Aufschluss über das frühere Leben, ermöglichen Aussagen zu Alter, Geschlecht, Gesundheit, Verletzungen und Sterbezeitraum. Nach der Untersuchung mithilfe der Radiokarbonmethode wurden 475 Personen in einem Ossarium (Beinhaus) würdig beigesetzt. In Totenbüchern, die im Archäologischen Fenster ausliegen, sind anstelle ihrer nicht bekannten Namen Informationen über ihr Leben verzeichnet, zum Beispiel:

"Dieser junge Mann ist der älteste bekannteste mittelalterliche, männliche Tote Berlins. Er verstarb zwischen 1154 und 1160 und hat offenbar schwer gearbeitet, wie sein degeneriertes Schultergelenk zeigt Darüber hinaus hatte er entzündliche Veränderungen am Kreuzbein. Das erklärt seinen frühen Tod aber nicht."


mit KLICK vergrößern

Im Kellergeschoss des Petri-Hauses sind bedeutsame Funde aus dem gesamten Berliner Stadtgebiet ausgestellt, ergänzt durch die Sammlung des Museums für Vor- und Frühgeschichte. Das erlaubt Einblicke in die Lebensweise der Menschen früherer Epochen. Beispielsweise ist dort ein Ochsenschuh zu sehen, ein Hufeisen für Ochsen aus dem 13. Jhdt. Ochsenkarren gehörten zu den wichtigsten Transportmitteln während des Mittelalters.


mit KLICK vergrößern

Oder ein Schreibgriffel aus dem 13. Jhdt., gefunden beim Bau der U-Bahnlinie U 5. "Schreibgriffel sind Teil der wenigen
archäologischen Zeugnisse mittelalterlicher Schriftlichkeit. Die Fähigkeit zu schreiben und zu lesen nahm im
Verlauf des Mittelalters zu". Nicht nur bei Amtspersonen, sondern auch in Handel, Gewerbe/Handwerk und bei wohlhabenden Familien.


mit KLICK vergrößern

Weiterhin ein glasiertes Spielzeugpferd aus dem 13. Jhdt., das am Molkenmarkt ausgegraben wurde (s. Titelbild). Und eine Flöte aus Tierknochen, 13. Jhdt., die ebenfalls bei den U-Bahnarbeiten gefunden wurde.

Über dem Kellergeschoss werden in mehreren Etagen gläserne Werkstätten, Projekträumen und ein offenes Magazin gezeigt. Sie geben den Besuchern direkten Einblick in die Arbeitswelt von Archäologen, manche Räume laden zum Mitmachen ein.


mit KLICK vergrößern

--------------------------------------------------------------

--------------------------------------------------------------
Archäologischer Rundgang in der Altstadt von Cölln
--------------------------------------------------------------

zum Vergrößern ANKLICKEN



Ein Wohnquartier jüdischer Einwanderer