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Stadtbezirk: Mitte Stadtplanaufruf: Berlin, Veteranenstraße Datum: 23. Januar 2007
Heute schließen wir eine Lücke zwischen früheren Zielen: den Senefelderplatz und die Bernauer Straße haben wir schon erwandert, dazwischen liegt die Veteranenstraße, der Volkspark am Weinbergsweg und der Zionskirchplatz.
Die Veteranenstraße ist die verlängerte Invalidenstraße, begrifflich steht sie in demselben Kontext: der Gebrechliche hat ausgedient. Der Volkspark am Weinbergsweg liegt südlich der Veteranenstraße. Vor 1770 wurde hier tatsächlich Wein angebaut. Im 19.Jahrhundert baute sich die Familie Wollank hier eine Villa mit großem Garten. Daraus wurde 1956 ein kleiner Freizeit- und Erholungspark mit altem Baumbestand. 1957 wurde ein eingeschossiges Cafe aus Stahlbeton errichtet. Der geschwungene Bauteil mit dem Gastraum mit Glasfront und weit überstehendem Flachdach verfügt über eine Terrasse zum Volkspark. Die orangerote Beleuchtung des Gebäudes in der Dunkelheit (Bild) wirkt etwas irritierend, aber tatsächlich ist auch heute noch eine Gaststätte hier untergebracht.
Die Zionskirche am gleichnamigen Platz ist ein monumentaler himmelsstrebender Bau, der von Kaiser Wilhelm I aus Dankbarkeit für das Misslingen eines Attentats gestift und 1873 eingeweiht wurde. Dietrich Bonhoeffer übernahm mit 25 Jahren die Gemeinde als Vikar (1931). Zu DDR-Zeiten unterhielten oppositionelle Gruppen hier die Umweltbibliothek. Die Kirchengemeinde schützte die Regimegegner, soweit ihr das möglich war, vor den Stasi-Zugriffen und Verfolgungen. Die Auseinandersetzungen wurden nicht nur in Westberlin, sondern weit darüber hinaus verfolgt.
Der Rückweg führt uns über die Torstraße, die zwischen Oranienburger und Rosenthaler Tor liegt und im Laufe ihrer Geschichte eine Vielzahl von Namen führte: Elsässer Straße, Lothringer Stra0e, Wollankstraße, Wilhelm-Pieck-Straße. Ende des 19.Jahrhunderts war das hier um den Rosenthaler Platz eine Amüsiermeile mit Theatern und Varietes, z.B. Varieté du Nord, Trocadero, Walhalla. Den Theatern und Varietes folgten später die Kinos, an der Torstraße überwiegend "Schmalzstullenkinos". "Dort liefen die Filme rund um die Uhr, man bezahlte für eine bestimmte Zeit, die man dann dort sitzen konnte. Wollte man länger bleiben, dann brachte man sich seine Stullen mit, daher der Name. Und notfalls konnte man sie sich auch vorne kaufen" (Zitat aus berlin:street, Kinos, Tanz und Varieté).
Von Amüsierviertel ist an der Torstraße nichts übrig geblieben. Der Autoverkehr fegt hindurch, die Bauten sind wenig einladend, Geschäfte selten. Nur manchmal leuchtet ein schönes Portal aus der Dunkelheit (Bild). Unseren Abendschmaus nehmen wir im Honigmond in der Borsigstraße zu uns, dort sitzt man angenehm, wird nett bedient mit schmackhaftem Essen.
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