|
Stadtbezirk: Steglitz Bereich: Lichterfelde-West Stadtplanaufruf: Berlin, Marthastraße Datum: 3. Mai 2004
Gustav Lilienthal, (der Flugpionier Otto war sein Bruder), kam aus England mit einer fixen Idee zurück nach Deutschland: die Burgen im Tudor-Stil hatten es ihm angetan. Und so baute er in Lichterfelde 32 Häuser mit Zugbrücken, Zinnen und Türmchen, die Fenster liefen nach oben spitz zu und waren meist mit Klinker eingefasst. 22 Häuser stehen noch, und zum Teil sind sie erst auf den zweiten Blick zu erkennen, weil der Denkmalschutz viel zu spät das Glattrasieren der Ecken und Kanten unterbunden hat. Die Türmchen sind nicht nur dekorativ, sondern als Schornsteine ausgebildet, und die Zugbrücke führt über den Graben, der das Souterrain belichtet.
Sein eigenes erstes Haus dieser Art baute er am Tietzenweg. Es fiel so schmal aus, dass die Nachbarn darüber spotteten, deshalb verteidigte er seine Bauweise mit einem Schild im Garten: "Wer nicht kann halten Maß, das Bauen lieber laß'".
Im Zentrum seiner Häuser seiner Häuser gibt es ein Zimmer, in das alle anderen Räume münden. Die Kommunikation der Hausbewohner ist so durch die Bauweise vorgegeben. Dieser zentrale Raum hat Einbauschränke, 5 Wände und vielen Nischen. In seinem zweiten Haus in der Marthastraße, das jetzt von seiner betagten Enkelin bewohnt wird, steht in diesem Raum ein runder Tisch, der die Hausbewohner mit den Gästen zusammen brachte. Vom Keller bis zum zweiten Stock durchzieht ein hölzerner Balken das Haus, der auch die geschwungene Treppe nach oben begleitet.
Die Villen waren außergewöhnlich, aber nicht pompös. Vielfach standen sie als Doppelhäuser neben einander, Wohnraum für Familien sollte nach Lilienthals Ideen nicht teuer sein. "Das Vororthaus für eine Familie" sollte ein bezahlbares Haus für die "unteren Schichten des Mittelstandes" sein.
Gustav Lilienthal war zusammen mit seinem Bruder auch der Erfinder des Anker-Steinbaukastens, der Generationen von Kindern als Spielzeug diente wie der Stabilbaukasten und der jetzt nach der Wende wieder aufgelegt wurde. Für die Lilienthals allerdings eine bittere Erinnerung: sie wurden durch einen Geschäftemacher die Rechte los und hatten nie Anteil an der Verwertung ihrer Idee.
|
|