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Stadtbezirk: Bereich: Reinickendorf Stadtplanaufruf: Berlin, Kurt-Schumacher-Platz Datum: 26. Juni 2006
Die Flugzeuge, die den Kurt-Schumacher-Platz im Sinkflug ansteuern, sind nur noch wenige hundert Meter von der Landebahn des Flughafens Tegel entfernt. Auch wegen des Autoverkehrs lädt der Platz nicht zum verträumten Verweilen ein. Die großen Supermärkte wie Praktiker lassen eher vermuten, dass wir uns auf der grünen Wiese außerhalb der Stadt befinden, sie passen gut zu diesem unbehausten Ort. In der südlichen Einflugschneise zum Flughafen stehen Einfamilienhäuser, deren Terrassen scheinbar keinen Fluglärm kennen, ihn trotzig nicht zur Kenntnis nehmen.
Weiter nördlich gibt es eine Kleinsiedlung in der Berenhorststraße *). Die freistehenden Einfamilienhäuser waren einmal sehr gleichförmig oder soll man sagen uniform, Satteldach, 3 schmale Fenster im Obergeschoss, 2 längliche Sehschlitze im Dachboden, Schornstein und Eingangstür jeweils an der gegenüberliegenden Hausseite, immer einmal links, einmal rechts angeordnet. Da offensichtlich keine Gestaltungssatzung mehr greift, haben die Eigentümer im Lauf der Zeit die Zwischenräume zwischen den Häusern mit Garagen oder seitlichen Eingängen zugebaut, die Dächer mit unterschiedlichen, zum Teil glänzenden Ziegeln neu gedeckt, die schmalen Fenster zusammengelegt, die Sehschlitze zugemauert. Auch eine kunstbeflissene Bemalung von Türen à la Miro finden wir. Die Flugzeuge hängen über den Häusern, bevor sie zum Kurt-Schumacher-Platz wegtauchen.
Beim Deichgrafen am Friedrich-Krause-Ufer parallel zum Spandauer Schifffahrtskanal sitzen wir draußen und beschließen den Abend der Flaneure. Der Nordhafen, der Humboldthafen erreicht man über diesen Kanal in südlicher Richtung, und dann stößt man ganz in der Nähe des Hamburger Bahnhofs und des Hauptbahnhofs auf die Spree, die sich hier zwischen Bundeskanzleramt und Hauptbahnhof windet. ----------------------- *) Berenhorst war ein unehelicher Sohn des "Alten Dessauers" (Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau), dessen segensreiche Erfindung des militärischen Gleichschritts ich schon mehrfach gewürdigt hatte. Berenhorst war Adjutant Friedrichs des Großen, später in Dessau Finanzverwalter des fürstlichen Grundbesitzes und Prinzenerzieher. Zum Schluss wurde er zum Kritiker des preußischen Militärsystems und veröffentlichte anonym seine "Betrachtungen über die Kriegskunst".
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