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Politkrimi im Polizeipräsidium




Stadtbezirk: Mitte
Bereich: Alexanderplatz, Otto-Braun-Straße, Hackeschen Markt
Stadtplanaufruf: Berlin, Otto-Braun-Straße
Datum: 19.2.2008

Unser heutiger Rundgang vom Alexanderplatz zum Hackeschen Markt beginnt in der Otto-Braun-Straße. Vom Alexanderplatz bis zur nächsten Straßenkreuzung wird die Otto-Braun-Straße auf der linken Seite flankiert von einem Gebäude, das jetzt in ein Luxushotel umgebaut werden soll. Wenn man diese unwirtliche Straße weiter ansieht, die durch den "sozialistischen Stadtumbau" der DDR alle historischen Stadtdimensionen sprengend in ein unansehnliches Nachkriegsneubauviertel gelegt wurde, dann muss man sich allerdings fragen, wer das Übernachten hier als Luxus ansehen wird.

Das zukünftige Hotel ist hier der letzte historische Bau, 1930 für Karstadt errichtet und nach dem 2.Weltkrieg zum Polizeipräsidium umgebaut. Und damit war es schon das zweite Polizeipräsidium am Alexanderplatz. Das erste stand dort, wo jetzt das Alexa-Einkaufscenter eröffnet hat. Der ursprüngliche Bau wurde 1886 von Hermann Blankenstein errichtet, dem Stadtbaurat, dem wir auch die Berliner Markthallen verdanken. Es war damals neben dem Stadtschloss das größte Gebäude Berlins mit fast 200 Metern Länge und gewaltigen Ecktürmen. Es beherbergte nicht nur die lokale Polizei, sondern auch die preußische Zensurbehörde.

Zur Nazizeit übernahm die Gestapo den Bau, der wegen seiner Farbe auch "Rote Burg" genannt wurde. Eine Tatsache, die dem Alexa-Einkaufscenter sicherlich nicht bekannt war, sonst hätte man wohl eine andere Fassadenfarbe gewählt. Nach den Kriegszerstörungen zog die Polizei an den Norden des Platzes in das ehemalige Karstadt-Verwaltungsgebäude.

Und kurze Zeit später hatte Berlin dann zur gleichen Zeit zwei Polizeipräsidien, als die Auseinandersetzungen zwischen dem Ostsektor und den Westsektoren Berlins auf eine Spaltung der Institutionen hinausliefen und in der Friesenstraße in Kreuzberg für den Westteil ein neues Präsidium eingerichtet wurde.

Während der letzten Tage der Weimarer Republik spielte in dem alten Polizeipräsidium und an anderen Stellen Berlins ein Politkrimi, der heute weitgehend vergessen ist. Und dieser Krimi hat mit Otto Braun zu tun, nach dem die Straße vor dem neuen Präsidium am Alexanderplatz heute benannt ist. Er amtierte als Ministerpräsident im LAND Preußen (vergleichbar einem heutigen Bundesland), ihm fehlte aber die notwendige parlamentarische Mehrheit. Daraufhin setzte die REICHSregierung am 20.7.1932 per Notverordnung einen Reichskommissar anstelle der Landesregierung ein und besetzte mit der Reichswehr das Polizeipräsidium und das Innenministerium. (Man stelle sich einmal vor, Frau Merkel ließe Minister Jungs Bundeswehr im Roten Rathaus aufmarschieren, um Wowereit abzusetzen).

Nur durch die besonnene Reaktion der Regierung Braun wurde ein Blutvergießen verhindert. Statt gewaltsamen Widerstand zu organisieren, erhob sie Klage vor dem Staatsgerichtshof. Dessen Urteil war klug, aber für die Praxis nicht zu gebrauchen, denn es bestätigte die Einsetzung des Reichskommissars UND die staatsrechtliche Stellung der Regierung gegenüber den Parlamenten und der Reichsregierung. In dem Verfahren gegen den Reichskommissar Bracht wurde die Landesregierung durch Ministerialdirektor Brecht vertreten. Die Berliner spotteten: "Brecht hat Recht, Bracht hat die Macht". Die Braun-Regierung traf sich weiter zu wöchentlichen Kabinettssitzungen, zu sagen hatte sie nichts mehr. Kein halbes Jahr später marschierten die Nazis mit Fackeln durchs Brandenburger Tor, da war es sowieso vorbei mit der Republik.

Zurück zur Otto-Braun-Straße. Das Gebiet nördlich des Alexanderplatzes hieß früher Königsstadt, nachdem der erste preußische König (damals noch König IN Preußen) nach seiner Krönung auf diesem Weg nach Berlin zurückgekommen war, die Otto-Braun-Straße hieß Neue Königstraße. Der "Platz am Königstor" am Ende der Straße heißt heute noch so, sieht aber genauso unwirtlich aus wie die ganze Straße und ist auch vor lauter Wohnsilos als Platz nicht mehr erkennbar. Wen wundert es, dass der Begriff "Königsstadt" heute nicht mehr verwendet wird.

Über die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, die Mulackstraße und die Rosenthaler Straße erreichen wir den S-Bahn-Viadukt. Auf dem Weg durch die Dunkelheit erfreuen uns Galerien und Schaufenster. Bevor wir in die S-Bahn steigen, stärken wir uns mit der Tradition folgend in einem Restaurant.

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Polierte Kolosse
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