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Übersinnliches und Affenliebe


Stadtteil: Friedrichshain
Bereich: Osthafen bis Frankfurter Allee
Stadtplanaufruf: Berlin, Gabriel-Max-Straße
Datum: 12. Mai 2020
Bericht Nr.:696

Ist es nicht eigenartig, dass wir mit "Affenliebe" nicht die Zuneigung zu Affen bezeichnen, sondern die übertriebene Liebe zu Menschen(kindern)? Aus der Beobachtung, dass Affenmütter sich hingebungsvoll und zärtlich um ihren Nachwuchs kümmern - was man für übertrieben hielt - entstand diese Metapher. Eine Affenliebe im eigentlichen Wortsinn lebte um 1900 der Maler Gabriel von Max. Er fühlte sich zu diesen Tieren hingezogen, beschäftigte sich mit ihrer Aufzucht und nutzte sie als Studienobjekte. Bis zu 14 Affen lebten im Gartenhaus seiner Münchener Stadtvilla.

Gabriel von Max
In Berlin trägt eine Straße seinen Namen, das Adelsprädikat hat man weggelassen. Ein Wandbild in dieser Straße zitiert einen Affen, den Pavian aus seinem Bild "Affen als Kunstrichter". Max inszenierte Affen in seinen Gemälden als Kulturwesen mit wachem Blick und Verstand. Frauen porträtierte er in seinen Bildern als schöne Melancholische, Selbstvergessene, Leidende, Märtyrerin. "So zeigt eines seiner Bilder die heilige Julia von Korsika christusgleich ans Kreuz gebunden, während ein junger Mann sehnsüchtig zu der noch in der Passion betörend schönen Frau aufblickt". In einer Zeit, als die Parapsychologie noch als exakte Wissenschaft galt, war er Gründungsmitglied einer Loge, die okkulte und esoterische Strömungen vertrat und beschäftigte sich mit dem Kommunikation mit dem Übersinnlichen und dem Jenseits.

Andererseits war er begeisterter Sammler von 60.000 Objekten der Naturkunde und Archäologie. Max war fünf Jahre lang Professor für Historienmalerei in München. Eines seiner Bilder zum Thema Christliche Auferweckung wurde 1878 auf der Weltausstellung in Paris gezeigt. Im Jahr 1900 wurde er als Ritter von Max in den bayerischen Personaladel erhoben. Das war ein "Verdienstadel", eine Auszeichnung wie ein Orden und konnte nicht vererbt werden. Und was bleibt? "Neben ergriffenen Heiligen und todesbleichen Schönheiten werden die Affen zu seinem liebsten Sujet und bevölkern seither bedeutende Museen und Privatsammlungen".

Graffitiflächen
Von der Spree bis zur Frankfurter Allee erwandern wir heute den Bezirk Friedrichshain mit wachem Blick für Graffiti. Sie verteilen sich auf unserem Weg nicht gleichmäßig wie in Kreuzberg, sondern sind an mehreren Hotspots geballt als Stencils oder Paste-ups, seltener als Spray paints und kaum als Murals (*) zu finden. Wo sie in kleinen Formaten eng an eng und übereinander Hauseingänge oder Wandflächen füllen, wirken sie wie Visitenkartenalben der Streetart-Künstler. Tattoo-Studios nutzen Wandflächen im Erdgeschoss für Murals, um auf ihre Läden aufmerksam zu machen.


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Osthafen
Der Senat hat im Jahr 2001 ein Hafenentwicklungs-Konzept beschlossen. Der Osthafen ist nicht dabei, er wurde "planerisch aufgegeben". Nur der Westhafen und der Südhafen werden weiter entwickelt. An der Spree hat sich stattdessen in den alten Lager- und Verwaltungsgebäuden ein Medienviertel etabliert. Beispielsweise die "Fernsehwerft", die im Namen historische und neue Zweckbestimmung kombiniert und in deren Studios Sendungen wie Plasbergs "Hart aber fair" produziert werden.

Außergewöhnlich ist der Neubau des Modezentrums Labels 2, ein Betonbau von "exaltierter Beschwingtheit". Vor seiner Fassade hängen olivgrüne Betonelemente, unter deren großen parabelförmigen Öffnungen die gläserne Fassade sichtbar wird. Das Heiz- und Kühlsystem des Hauses mit thermoaktiven Bauteilen und Wasserleitungen mit 73.000 Metern Länge ist in die Betondecken integriert, niedrige Energiekosten sind ein Thema für jeden Neubau in unserer Zeit.


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Noch vor dem Westhafen, der ebenfalls vom Stadtbaurat Friedrich Krause konzipiert wurde, ging der Osthafen 1913 in Betrieb. Hier brauchte man kein künstliches Hafenbecken, die Spree ist mit 170 Metern breit genug für einen Flusshafen. Das 1,4 km lange Ufergrundstück gehörte schon überwiegend der Stadt und die Bahnanlagen in der Nähe ermöglichten einen guten Anschluss an die Schiene.

Die Reliefs an den Uferbauten hat Friedrich Krause extra groß dimensioniert, damit sie von den vorbeifahrenden Schiffen gut wahrgenommen werden konnten. Seine Bauten hat er damit wirkungsvoll inszeniert. Der Stadtbaurat sah voraus, dass die Umladung im Hafen und der Betrieb der Schiffe Staub und Dreck erzeugen würden. Damit sich die Umweltverschmutzung nicht auf den Hafengebäuden zeigt, wählte er grauen Putz für die Lagerhäuser, Verwaltungsgebäude und für das miterrichtete Kraftwerk. Umweltbelastungen eindämmen oder verstecken? Bis heute ein trübes Thema.

Ostkreuz
Von weither kann man den Bahnhof Ostkreuz lokalisieren: Der alte Wasserturm, der früher Dampflokomotiven mit Wasser versorgte, zeigt den Standort an. Der Bahnhof Ostkreuz selbst war bis zur Wende ein verwirrendes System sich kreuzender, tangential berührender oder jegliche Verbindung vermeidender Bahnlinien. Wegen zu DDR-Zeiten unterlassener Instandsetzungsarbeiten war er zum "Rostkreuz" geworden.

Inzwischen ist in jahrelanger Arbeit der Bahnhof in ein echtes Bahnkreuz umgebaut werden, das den Namen Ostkreuz verdient. In dicken Lettern prangt er an der Ringbahnhalle, die als Brücke über den Gleisen Richtung Stadtbahn liegt. Wobei - ganz haben die Planer es nicht geschafft, alle Linien in das Bahnkreuz zu integrieren. Immer noch fährt die von der südlichen Ringbahn kommende S-Bahn zum Flughafen Schönefeld in einer Verbindungskurve am Ostkreuz vorbei und ärgert die Ortsunkundigen.


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Beim Umbau des Bahnhofs hat man gleich zwei Stockwerke tiefer gebaut. In einem Tunnel kann hier später die Stadtautobahn hindurchführen, falls sie einmal verlängert wird. Dieser geplante 17. Bauabschnitt soll vom Treptower Park zur Frankfurter Allee führen. Der 16. Abschnitt von Neukölln zum Treptower Park ist im Bau. Den Lückenschluss könnte der letzte Abschnitt von der Frankfurter Allee zur Michelangelostraße im Prenzlauer Berg bringen, der aber ziemlich illusorisch erscheint.


Kehren wir noch einmal zu den Affen zurück. Wenn der Berliner vom Affen spricht, kann das eine Anspielung auf die Körperhaltung des Tieres sein. Hier ein Beispiel aus dem früheren Berlin, als noch Schaffner die höchste Instanz in der Straßenbahn waren, wo sie die Billets verkauften, für Ordnung im Waggon sorgten und das Abfahrtssignal gaben. - An der Haltestelle steht eine Frau mit ihrem Mann, den sie gerade aus der Kneipe losgeeist hat. Er ist blau, kann kaum noch stehen, hält sich an ihr fest. Die Straßenbahn fährt vor, die Türen öffnen sich, der Schaffner erkennt mit einem Blick den Zustand des Mannes und ruft: "Mit den Affen nehm ick Ihn' nich mit". Dreht sich der Betrunkene zu seiner Frau um und sagt: "Olle, Du musst loofen".

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(*) Stencil = Schablonenkunst, paste-up = an die Hauswand geklebte Bilder, Spray paints = Sprühtechnik, Murals = Wandmalereien.

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... ACHTUNG, es folgen ZWEI Bildergalerien ...
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... und hier sind weitere Bilder ...
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Unsere Route:
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Schöne neue Welt