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Stadtbezirk: Prenzlauer Berg Stadtplanaufruf: Berlin, Schönhauser Allee Datum: 10. April 2006
Der jüdische Friedhof Schönhauser Allee - unser heutiges Ziel - schließt bereits um 16 Uhr, aber einen Blick in das Lapidarium können wir werfen, in dem alte Grabsteine vor dem Verfall bewahrt werden.
Wir folgen der Schönhauser Allee weiter nach Norden und kommen an der Einmündung Wörther Str. zur Segenskirche. Diese Kirche steht nicht frei, sondern ist (zur Einsparung von Grundsteuer und Baukosten) in die Straßenfront integriert. Ihr 75 m hoher Turm mit geschwungener Kupferhaube und Laterne und Spitzhelm in barocken Formen steht direkt in der Baufluchtlinie, das eigentliche Kirchengebäude liegt an einem Innenhof, hinter einer Durchfahrt mit Spitzbogen, die durch eine Fassade mit barocken Backsteinelementen führt. Diese Klosteranlage, die sich in ihrer gleichzeitig abweisenden und schützenden Bauweise vom angrenzenden Gewerbehof optisch erschließt, ist als "Kloster auf Zeit" für alle Menschen offen, die nach einer Veränderung in ihrem Leben, nach Lösungen in konkreten Lebensfragen, nach Sinn und neuer Verbindlichkeit suchen. "Die Motive und Zeitpunkte, warum Menschen eine Auszeit suchen, sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Lärm, Zeitnot, Konsumrausch, aber auch Arbeitslosigkeit, Scheidungen treiben sie an, rauben ihnen die Fähigkeiten zur Ruhe. In diesem Sinne ist ein Stadtkloster im Prenzlauer Berg kein Ort der Weltflucht, sondern ein Ort der erneuten Hinwendung und Auseinandersetzung von Menschen sich mit sich selbst und ihrer Welt, eingebettet in einen ganz eigenen Rhythmus: Gebet, Arbeit, Meditation und persönlicher Freiraum." In dem Gegensatz von kontemplativer Abgeschiedenheit und der Hektik dieses Stadtbezirks sieht man dort keinen Widerspruch, sondern eine Chance.
Wir gehen weiter durch die Oderberger Straße, am alten Stadtbad vorbei, und treffen auf skurrile Läden und vor kurzem renovierte Wohnbauten, die noch bei unserem letzten Besuch bröckelig, trist und grau waren.
Wir kommen zum Arkonaplatz. Hier steht wieder ein gusseiserner Tempel, der in Wirklichkeit eine öffentliche Bedürfnisanstalt mit einem Dach in Pagodenform ist. An der Ruppiner Straße wird der Platz flankiert von einem Bau, der ein Gewerbebau aus der (gelben) Backsteinzeit sein könnte. Hier steht die "Grundschule am Arkonaplatz", 1865 von Hermann Blankenstein erbaut. Sie liegt im Sanierungsgebiet der Rosenthaler Vorstadt in Berlin-Mitte und steht mit seiner alten, im Blockinnenbereich gelegenen Turnhalle unter Denkmalschutz.
Arkonaplatz: Er trägt seit 1875 den Namen der nördlichen Erhebung auf der Insel Rügen. 1887 wurde der Platz mit zwei Schmuckanlagen nach Plänen von Herrmann Mächtig gestaltet. Albert Brodersen beseitigte 1918 den Schmuckplatz und gestaltete den A. mit Kinderspielbereichen. Die Umbauung des Platzes umfasste ursprünglich 4500 Wohnungen in großen Mietshäusern. Infolge der Bombenangriffe im II. Weltkrieg gingen hier 1000 Wohnungen verloren. Während dieser Zeit stand auf dem ehemaligen Marktplatz ein Hochbunker, der unmittelbar nach Kriegsende gesprengt und in den 50er Jahren abgetragen wurde.
An der Zionskirche vorbei gehen wir zurück zum Senefelder Platz, wo unser Auto steht.
Über unser heutiges Lokal, das Bangin, hat die Berliner Tageszeitung taz nur abfällige Worte übrig (bis vor kurzem war hier noch ein Italiener 'drin): "Wenn dann doch aus einem Italiener plötzlich das "Crossover Restaurant" Bangin wird, wo man etwa pakistanische mit deutscher Kost kreuzt, kann das nur an finanzieller Misswirtschaft liegen".
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