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Stadtbezirk: Charlottenburg Bereich: Zoo, Gedächtniskirche Stadtplanaufruf: Berlin, Breitscheidplatz Datum: 20. Oktober 2008
Johann Sigismund, Kurfürst von Brandenburg, soll vor der "Weißen Frau", die in seinem Schloss herumgeisterte, ins Nikolaiviertel geflohen sein. Sein Urgroßvater, Kurfürst Joachim II., hatte ein viel pragmatischeres Verhältnis zu dieser Dame. hatte sie ihm doch alle Todesfälle in seiner Familie mit ihrem Erscheinen vorausgesagt. Zu diesen Gelegenheiten trug sie außer ihrem weißen Gewand mit weißem Witwenschleier ausnahmsweise schwarze Handschuhe. Anders als die ganz in schwarz gekleidete Erscheinung einer Frau, die dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. im Charlottenburger Schloss den Tod seiner Frau Königin Luise angekündigt hatte.
Die Weiße Frau sah, wenn sie keine schwarzen Handschuhe trug, im Schloss nach dem Rechten, versetzte nachlässige Diener in Schrecknisse, bereitete "wie von Geisterhand" vor Festlichkeiten die Tafel und beseitigte danach alle Spuren des vergangenen Festes. Wenn man ihr nachts auf den Gängen begegnete, erwiderte sie einen Gruß durch stummes Kopfnicken. Sie beugte sich über die Wiegen der königlichen Kinder oder trug sie in ihren Armen herum.
Die Hohenzollern hatten in vielen ihrer Schlösser eine Weiße Frau, auf die sie alle Wünsche nach Harmonie und Schutz projizierten. So zeigten sie: Nicht nur von Gottes Gnaden ist unsere Herrschaft, auch mit den guten Geistern, die um uns sind, leben wir in Frieden und werden von ihnen geachtet und beschützt.
Kurfürst Johann Sigismund hatte offensichtlich andere Erfahrungen gemacht, weshalb er vor der Weißen Frau ins Nikolaiviertel floh. Um daran zu erinnern, werden jetzt knapp zwei Wochen lang die Kirchtürme der Nikolaikirche weiß angestrahlt. Diese Lichtinstallation ist Teil des "Festivals Of Light", das wieder viele Bauwerke farbig illuminiert. Es sind diesmal nicht die großen Flächen, die in Farbe getaucht werden, sondern die kleinen Winkel, Fassadenelemente, Fensterachsen, Dachziegel, Arkaden, Torbögen, so dass sich vieles erst erschließt, wenn man sich dem Bauwerk nähert. Andererseits stellt von Scheinwerfern gebündeltes Licht Verbindungen zwischen den Gebäuden her oder strahlt von hier aus gerade nach oben in den Nachthimmel.
Bereits berichtet hatte ich vor einer Woche über eine Lichtuhr mit einem Durchmesser von 60 Metern auf dem Marx-Engels-Forum, die als größte der Welt in das Guinness-Buch der Rekorde eingehen soll. Unser heutiger Spaziergang führt uns in die alte City West. Rathaus Charlottenburg, das "Gürteltier" der Industrie- und Handelskammer, ein Hotel, eine Bank, das Neue Kranzler-Eck, das Elefantentor (Zoo) liegen auf der Route. Besonders eindrucksvoll beleuchtet ist die Gedächtniskirche, die selbstbewusst ihre Wunden mit heftigen Farben und Lichtbündeln herausstellt.
Das Festival hat (fast) alle Fotografen angelockt, überall Stative oder atemloses Auslöserdrücken. In den Blogs im Internet finden sich so verbreitenswerte Aussagen wie "Ich war auch schon auf Fototour" (Lichtkritiker-Blog) oder "Oh….coool da gibt es Fotos, die sind sogar besser als meine… gibt’s doch gar net !!!" (Blog mit Namen CurrywurstimStehen). Uns steht der Sinn weder im Internet noch beim Rundgang nach Currywurst und so wir finden am Wittenbergplatz unerwartet (weil im touristischen Umfeld) im Lokal "Paydos" phantasievolle Fleischgerichte von guter Qualität.
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